Die Schweiz hat gerade mittels Volksabstimmung ein bedrückendes Bild der derzeitigen Stimmung zwischen Christen und Moslems gezeichnet. Nur zur Erinnerung: Das Ergebnis sieht mit überwältigender Mehrheit ein Verbot des Baus von Minaretten vor.
Hört sich irgendwie schildbürgerlich an? Finde ich auch.
Obgleich ich konfessionslos bin, glaube ich an Toleranz und an Religionsfreiheit. Nur wie mit allen Freiheiten, definieren sich diese vor allem durch die Grenzen.
Wo also sollten die Grenzen sein?
Wenn ich in einem fremden Land bin, ist es selbstverständlich, dass ich mich den lokalen Gegebenheiten was Pietät und Benehmen zumindest versuchsweise beuge.
Wenn ich den jüdischen Friedhof in Prag besichtige, ist es selbstverständlich, dass ich eine Kopfbedeckung trage. Genauso selbstverständlich empfinde ich, dass weibliche muslimische Schulkinder am Schulsport teilnehmen.
Ganz kritisch empfinde ich jedoch, wenn Toleranz einseitig erwartet wird. Kurzum, genauso verstört, wie ich von der Entscheidung der Schweizer war, bin ich nun von der zu erwartenden Kritik der islamischen Kirchen. Allen voran – der Türkei. Herr Erdogan skandiert ganz klar, dass die Entscheidung faschistisch sei und diskriminierend.
Das meine ich in Grenzen auch.
Aber ich habe mir mal den Spaß gemacht und kurz geforscht, wie es denn z.B. in der Türkei, die sich ja parallel um Aufnahme in die EU bemüht, um die Rechte z.B. der Christen bestellt ist. Dürfen denn die Christen frei ihre Kirschen bauen?
Weit gefehlt.
Hier ein paar Dinge, die Christen offenbar in der Türkei das Leben schwer machen (und ich lasse allgemeine Anfeindung, Hate-Crimes inklusive Mord etc. einfach mal weg):
- Da christliche Gemeinden nicht anerkannt werden, könne sie keine Geschäfte machen. Das beinhaltet auch das Kaufen oder Mieten eines Grundstücks oder auch nur das Führen eines Bankkontos
- Nur Türken dürfen in der Türkei Geistliche werden. Aus diesem Grund sind viele “ausländische” Geistliche offiziell bei deren Botschaften beschäftigt – und müssen teilweise, da sie nur über ein Touristenvisum einreisen können, alle 3 Monate kurz das Land verlassen
- Christliche Geistliche dürfen in der Türkei nicht ausgebildet werden
- Um überhaupt Handlungsfähig zu sein, muss eine Gemeinde eine Stiftung gründen, damit überhaupt Geldgeschäft getätigt werden können
Vor diesem Hintergrund verwandelt sich die Kritik wohl eher in blanken Hohn. Ich jedenfalls bin ernsthaft verwirrt, wie man so mit zweierlei Maß messen kann, ohne dass man sich selbst verlogen vorkommt.
Fazit: Total für’n Arsch…
Hier noch ein paar Quellen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,478091,00.html
http://www.igfm.de/Christliche-Minderheiten-in-der-Tuerkei.570.0.html